Das von der Landesregierung geplante Inklusive Schulgesetz hatte sich die Thüringer Landeselternvertretung anlässlich der 36. Elterntage am 19. und 20. Main in Gera zum Thema gemacht.

Grundlegend waren die Ausführungen des Gastreferenten Prof. Dr. Rainer Benkmann zum Thema „Inklusion in einer desintegrierten Gesellschaft – Zum Beitrag der Inklusiven Schule“. Er richtete einen universellen Blick auf das gesellschaftliche Auseinanderdriften. Dieses sei Folge einer Ökonomisierung der Lebensverhältnisse, befriedige so die Bedürfnisse eines weiten Teils der Bevölkerung und führe zur Pluralisierung der Lebensverhältnisse in unserer Gesellschaft. Die Folge: Verbindlichkeiten fallen, Bindungen zerbrechen und Eigeninteressen scheinen die Gemeinwohlinteressen zu überdecken. In diesen Prozessen findet Bildung statt und führe zu Selektion und Leistungsdruck, zu einem Individualisieren des Versagens.  Letztlich würden wir so zu rastlosen Konsumbürgern statt zu kritischen Bürgern und erleben einen „rasenden Stillstand“.
Die Ökonomisierung des Sozialen führe zu einer Entsolidarisierung gerade in Bezug auf Menschen, die nicht so gut mitkämen. Eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist das Resultat. Ökonomistische Grundhaltungen tragen dazu bei, das „minderwertige, unprofitable“ Gruppen ausgegrenzt werden. Zu denken muss uns das Ergebnis einer wissenschaftlich begleiteten Umfrage geben, nach der 30 % der Befragten der Aussage zustimmen, dass eine Gesellschaft sich Menschen nicht leisten könne, die wenig nützlich sind. Desintegration wird so zur Gefahr für ein gesellschaftliches, demokratisches Zusammenleben. Prof. Benkmann sieht als wichtigen Gegenpol den sozialen Kontakt auch in Bildungseinrichtungen und beschrieb die wichtigsten Auszeichnungsmerkmale einer Inklusiven Schule. Er hielt damit ein entschlossenes Plädoyer für die Inklusive Schule. Und wenn wir es denn weiterdenken, dann ist es ebenfalls ein Plädoyer für ein Miteinander in allen Bereichen unseres Lebens.

Mit Frau Dr. Kindervater und Frau Helm vom TMBJS stellten zwei erfahrene Referentinnen des TMBJS die Eckpunkte des Inklusiven Teils aus dem Gesetzesvorhaben „Inklusives Schulgesetz“ vor.

Spätestens da, vor allem aber am Vormittag des 20.Mai in der Fragerunde mit Staatssekretärin Gabi Ohler,  war Ökonomisierung wieder ein Thema der anwesenden Gäste. Von zentraler Bedeutung war, wie die Rahmenbedingungen für Bildung im Allgemeinen und für Inklusive Bildung im Besonderen bereitgestellt werden würden. Es ist davon auszugehen, dass  dies noch ein langwieriger und für viele nicht erfreulicher Prozess werden wird.

Die Mitglieder der Thüringer Landeselternvertretung werden diesen Prozess konstruktiv und kritisch begleiten.

Vor diesem Hintergrund sehen wir unser gemeinsames Sofortprogramm mit Landesschülervertretung, GEW und tlv als ernsthaften Ansatz. 

Zu viel Resignation lässt sich bei nicht wenigen Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, dem Betreuungspersonal, Schülerinnen und Schülern feststellen. Unser Aktionstag für bessere Bildung am 01.Juni 2017 ab 10.00 Uhr vor dem Thüringer richtet sich nicht gegen Personen oder Institutionen. Wir setzen uns für vollumfängliche Bildungschancen für alle, gegen Ausgrenzung und Neid ein. Und wir wollen die Resignierten aufrufen, sich in den Landkreisen, den Städten und Gemeinden für Bildungs- und Chancengerechtigkeit einzusetzen.

Vorträge: Vortrag_Prof_Dr_Benkmann ; Prasentation Landeselterntag – Inklusion im ThurSchulG ; Handout_GEW-Thueringen_fuer_LET

Antworten auf die eingesendeten Fragen: Fragenkatalog_mit_Anlagen