PDF: Pressemitteilung – Schlechtes Zeugnis

Entsetzt zeigt sich die Thüringer Landeselternvertretung über die Ergebnisse einer Kleinen Anfrage im Thüringer Landtag zur Anzahl der Schulklassen, denen keine Zeugnisnoten in einzelnen Fächern erteilt werden konnten.

Danach wurden zum Schulhalbjahr 2016/2017 Thüringenweit in 478 Klassen Zeugnisse ausgegeben, die in einzelnen Fächern keine Zeugnisnoten enthielten. Auch die Prognose hinsichtlich der bevorstehenden Schuljahreszeugnisse sieht mit über 200 Klassen nicht besser aus.
Wie mit Prognosen umzugehen ist, sehen wir ja am Berliner Flughafen.
Entsetzt sind wir insbesondere, da uns solche Geschehnisse bisher vom TMBJS als bedauerliche Einzelfälle erklärt wurden. Mit den nun veröffentlichten Zahlen ist festzustellen, dass es sich hierbei um tausende bedauerliche Einzelfälle handelt.
Zahlen lügen nicht und sie verdeutlichen die erheblichen strukturellen Probleme, mit denen wir es in der Thüringer Bildungslandschaft zu tun haben. Die Thüringer Landeselternvertretung hat seit Jahren gebetsmühlenartig auf die heranwachsende Katastrophe aufmerksam gemacht. Ein koordiniertes Gegensteuern auf ministerieller Ebene war jedoch nicht festzustellen.
Besondere Sorgen bereiten uns die Zustände an den Regelschulen in ganz Thüringen, aber auch der Gymnasien, insbesondere im Schulamtsbezirk Ostthüringen.
Den Zahlen ist ebenfalls zu entnehmen, dass die gezielte Förderung einer einzelnen Schulart zu Lasten der übrigen geht. Das kann, darf und soll nicht Bildungspolitik einer Landesregierung sein.
Die TGS leistet unzweifelhaft gute Arbeit. Das kann Regelschule aber auch, wenn man sie denn ließe.

Welche dramatischen Folgen eine Abwertung von Regelschulabschlüssen hat, wird erkennbar, wenn man sich vor Augen führt, dass diese den größten Anteil an Absolventen für Handel, Handwerk und produzierendes Gewerbe entlässt. Hinzu kommt, dass die Regelschule die Hauptlast des gemeinsamen Unterrichts im weiterführenden Schulbereich zu tragen hat. Wie soll Inklusion gelingen, wenn nicht einmal der Unterricht im Schuljahr gesichert werden kann? Es hat den Anschein, dass die Thüringer Regelschule zunehmend zur Resterampe verkommt und damit die engagierte Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer einerseits und die Abschlüsse von Schülerinnen und Schülern auf der anderen Seite entwertet werden.
Abiturienten laufen Gefahr, bei der Studienplatzvergabe benachteiligt zu werden. Schülerinnen und Schülern der Grundschule wird bereits der Start ins Bildungsleben erheblich erschwert.
Welchen Plan das TMBJS verfolgt, können wir nicht beurteilen. Das letzte Ministergespräch fand im Sommer 2016 statt. Mitwirkung haben wir unter den vorherigen Landesregierungen anders erfahren.
Wir fragen uns:
Wenn die ministerielle Entscheidung über die Prüfungsbefreiung für den Angehörigen eines Ministers die Installation eines Untersuchungsausschusses nach sich zieht, dann stellt sich die Frage von Untersuchung und Verantwortung für derart dramatische Zustände erst recht.
Wir sehen uns in den gemeinsamen Forderungen des kürzlich veröffentlichen Sofortprogramms mit LSV, GEW und tlv bestärkt und drängen auf ein unverzügliches und entschlossenes Handeln der Thüringer Landesregierung.