Kaum ein Thema im Bereich Schulbildung beschäftigte uns in der vergangenen Woche intensiver als eine zum Zeitpunkt der Diskussion noch nicht veröffentlichte Studie. Danach lernen Kinder die Rechtschreibung am besten mit der Fibel. Die Methoden „Lesen durch Schreiben“ und „Rechtschreibwerkstatt“ führten zu deutlich schlechteren Lernerfolgen.

„Lesen durch Schreiben“ verfolgt den Ansatz, dass Kinder durch das Schreiben automatisch lesen lernen. Bei dieser Methode arbeiten die Kinder mit einer Anlauttabelle, nach der Worte gebildet und geschrieben werden sollen. Nachteile gegenüber Der „Fibel“ ergeben sich insbesondere dann, wenn Kinder einen starken Dialekt sprechen oder einen Migrationshintergrund haben. Es fällt ihnen einfach schwerer, die richtigen Laute und die damit verknüpften Buchstaben zu finden. Schreiben funktioniert nicht Unbedingt so, dass wir für jeden Laut den passenden Buchstaben finden.

Die „Lesen durch Schreiben“-Methode setzt für den erfolgreichen Einsatz einen Idealzustand voraus: Die Kinder sprechen möglichst Hochdeutsch, die Laute müssen richtig gehört und mit den zutreffenden Anlaut der Tabelle verbunden werden. Schreiben nach der
Methode „Lesen durch Schreiben“ richtig zu erlernen, ist nach der heutigen Schulrealität also schwerer vorstellbar.

Die Nutzung der „Fibel“ dagegen birgt den Vorteil, dass Kinder systematisch vom Einfachen zum Schwierigen Wörter sowohl richtig
lesen und schreiben lernen.

Bereits frühere Metastudien erbrachten den Befund, dass Kinder, die nach der Fibel unterrichtet wurden, bessere Rechtschreibergebnisse erzielten, als nach der „Lesen durch Schreiben“-Methode unterrichtete Kinder. Hinsichtlich der Lesefähigkeit gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede.

Das Verhältnis stellte sich jedoch anders dar, wenn man Klassen verglich, in denen es keine großen Unterschiede in den Lernvoraussetzungen gab: Der Vergleich solcher Klassen ergab nämlich keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Methoden. Offensichtlich zeigt die „Lesen durch Schreiben“-Methode dann erhebliche Schwächen, wenn sie bei Kindern in schwierigen Lernsituationen zur Anwendung kommt. Alles deutet darauf hin, dass sich „Lesen durch Schreiben“ nachteilig auf Kinder aus sozial schwachen oder bildungsfernen Familien auswirkt.

Daraus ein kategorisches Verbot, wie vom Deutschen Lehrerverband gefordert, herzuleiten, halten wir für nicht überzeugend. Zum Rüstzeug eines jeden Pädagogen sollten die Kenntnis, das Verstehen und die Anwendung vielfältiger Unterrichtsmethoden gehören, die den Kindern die Möglichkeit der optimalen Entfaltung bieten.

Was uns an der Diskussion stört, ist das damit verbundene Aufregungspotential. „Lesen durch Schreiben“ ist bereits seit Jahren heiß umstritten. Auch ist dies nicht die erste Studie, die sich mit dem Methodenvergleich auseinandersetzt und ein solches Ergebnis zu Tage fördert. Es ist dazu sicherlich noch nicht alles gesagt worden und erst recht nicht von allen.

Bei all der berechtigten Kritik weisen wir darauf hin, dass es erst einmal Lehrer braucht, die mit der passenden Methodik die gewünschten Lehr- und Lernergebnisse erzielen können. Das Problem ist Thüringen- und bundesweit noch nicht gelöst und es allemal wert, sich darauf weiter zu konzentrieren.