Sehr geehrte Eltern und Bildungsinteressierte,

das neue Schuljahr hat begonnen. Wir wünschen allen Schülerinnen und Schülern viel Glück auf dem Weg, allzeit eine große Portion Neugier und den Mut, neue Wege zu gehen.

Neugierig sind auch wir, welchen Weg das TMBJS und die Landesregierung auf dem Weg zur Unterrichtsgarantie beschreiten werden. Je nachdem, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, betrachtet man die Aussage, dass fast jede zehnte im Jahr 2018 frei gewordene Lehrerstelle in Thüringen nicht mit einem geeigneten Bewerber besetzt werden konnte. Wohlgemerkt 2018. Die Lücken, die in den Jahren zuvor aufgerissen worden waren, werden dabei außer Betracht gelassen. Und bis zum Jahresende werden wohl noch ein paar Lehrerinnen und Lehrer aus dem Schuldienst ausscheiden. Ob Verbeamtung allein ausreichen wird, die entstandenen Lücken zu schließen, müssen wir bezweifeln. Thüringen ist keine Insel, auf der Lehrerinnen und Lehrer fehlen. Sie fehlen fast bundesweit. Aus Gesprächen mit Vertretern des TMBJS wurde deutlich, dass viele Bewerberinnen und Bewerber den Bereich Mittelthüringen nicht verlassen wollen, dass die Ballungszentren Erfurt und Jena, wer wollte daran zweifeln, begehrte Zieladressen sind, und das die etwas abseits gelegenen Regionen um jeden Bewerber kämpfen müssen. Es stellt sich die Frage, wie geeignete Bewerberinnen und Bewerber für Nordhausen, Zella-Mehlis, Gera, Altenburg oder Greiz zum Antritt einer Stelle geworben werden können. Oder andersherum: Was hindert junge Lehrerinnen und Lehrer daran, dort eine Stelle anzunehmen? Wir würden uns freuen, darauf einige Antworten zu erhalten. Wenn Verbeamtung mit den Mitteln der Um- und Versetzung nicht reicht, was dann? Muss es wieder eine „Buschzulage“ wie Anfang der Neunzigerjahre sein? Treten die Bundesländer künftig in einen Bieterwettbewerb? Werden einige Bundesländer die klaren Verlierer sein? Wir wünschen uns das nicht. Und in Thüringen? Jede Region, in der Stellenbesetzungen nur unter großen Schwierigkeiten vorgenommen werden können, läuft Gefahr, ins Abseits zu geraten. Es ist eine Binsenweisheit: Bildung ist der Schlüssel zur Zukunft. Den Umkehrschluss kann sich jeder denken. Ob Schulkooperationen ein Baustein zum Erfolg sind, sehen wir eher kritisch. Wenn die Decke zu knapp ist, kann man zerren wie man will. Sie bleibt zu knapp. Und so werden Lehrerinnen und Lehrer von einer Schule an die nächste umgesetzt, reißen an der einen Stelle ein Loch, um anderswo ein größeres Loch zu schließen. Der Mangel geht auf Reise.

Zurück zum Glas. Das ist immer noch halbvoll. Oder halbleer. Wem das zu pessimistisch klingt, dem sei gesagt: Der Pessimist ist nichts anderes als ein Optimist mit Erfahrung. Erfahrungen werden wir alle machen, darin sind wir optimistisch.

Mit Optimismus sollten Sie auch in die bevorstehenden Wahlen zur Elternvertretung gehen. Ob als Klassen-, Schul-, Kreis- oder Landeselternsprecher: Sie sind diejenigen, die Bildung an Thüringer Schule mitgestalten. Lassen sie den Blick also nicht gesenkt, wenn nach Freiwilligen gefragt wird, sondern gehen sie erhobenen Hauptes und mit einer gehörigen Portion Optimismus nach vorn! Alles Gute auf dem Weg.