So oder so ähnlich lässt sich der Wille der Landesregierung zur Ausgestaltung eines Schüler- und Azubitickets in Thüringen umschreiben.

Die Ausdünnung des Thüringer Berufsschulnetzes ist seit vielen Jahren im Gange. In der Folge verlängern sich die Anfahrtswege der Lehrlinge und Auszubildenden zu den Ausbildungsstätten drastisch, was steigende Fahrkosten bei einem ohnehin oftmals schmalen Lehrlingsentgelt zur Folge hat.

Die Landeselternvertretung hat dazu im Dezember 2013 die Initiative ergriffen und ist an die Landtagsabgeordneten mit dem Vorschlag eines Azubi-Tickets herangetreten.

Ziel war und ist es, sowohl den Problemkreisen der sozialen Gerechtigkeit – Studenten fahren schon seit langem auf der Basis eines Semestertickets – als auch der Fachkräfte- und Standortsicherung in Thüringen zu begegnen. Die Initiative der Thüringer Landeselternvertretung fand parteiübergreifend Zustimmung und Unterstützung.

Nach über vier Jahren, zwei verstrichenen Haushaltsperioden, unzähligen Fahrten und Gesprächen ziehen wir eine ernüchternde Bilanz: Der Berg kreist und gebiert ein Mäuschen.

Offensichtlich ist sich die Thüringer Landesregierung der dramatischen Folgen, die sich durch das Ausdünnen des Thüringer Berufsschulnetzes ergeben, nicht bewusst. Ganze Zweige der Berufsausbildung werden in Thüringen nicht mehr angeboten, sondern haben sich in benachbarte Bundesländer verlagert. Sachsen hat sich nun selbst auf den Weg gemacht, im eigenen Bundesland ein Azubi-Ticket für Lehrlinge und Auszubildende anzubieten. Offensichtlich haben die Sachsen die Thematik deutlich später als die Thüringer aufgegriffen, es ist jedoch zu befürchten, dass sie noch vor den Thüringern eine befriedigende Lösung anbieten werden.

Wer im Standortwettbewerb und im Ringen um die hellsten Köpfe derart schwerfällig agiert, muss sich die Frage gefallen lassen, worin die Zukunft Thüringens liegen soll.

Die Thüringer Landeselternvertretung fordert die Landesregierung daher auf, beim Schüler- und Azubi-Ticket nun endlich den Fuß von der Bremse zu nehmen und ein entsprechendes Regelwerk im Interesse der angesprochenen Adressatenkreise zu erlassen.