Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Teure-Freizeit-Schule-schwaenzen-kann-teuer-werden-657411861
Notorische Schwänzer oder Eltern, die ihre Kinder für einen frühzeitigen Urlaubsbeginn krank schreiben: Eine Verletzung der Schulpflicht kann unangenehme Folgen haben.

Erfurt/Gera. Immer wieder kommt es vor, dass Eltern wegen der Planung einer Urlaubsreise ihr Kind kurzerhand für die letzten Schultage vor den Ferien krankschreiben. Eine Verletzung der Schulpflicht kann unangenehme Folgen haben. «Ein unentschuldigtes Fehlen ist kein Kavaliersdelikt», sagte der Sprecher des Thüringer Kultusministeriums, Frank Schenker. Im Zweifelsfall könne ein Schulleiter die Vorlage eines ärztlichen Attests verlangen, unerlaubtes Fernbleiben von der Schule könne mit Ordnungsmaßnahmen oder Geldstrafen geahndet werden – in Extremfällen ab elf unentschuldigten Fehltagen sogar mit einem Ordnungsgeld von bis zu 1500 Euro.

Auch die Landeselternvertretung lehnt falsche Krankschreibungen ab: «Grundsätzlich haben Eltern immer eine Vorbildfunktion. Wer bestehende Gesetze einfach leichtfertig übergeht, vermittelt seinem Kind ein Weltbild, das den Einstieg in den Erwachsenenleben nicht unbedingt einfacher macht», sagte der Sprecher der Thüringer Landeselternvertretung, Steffen Reiche-Römuß. Wer sein Kind ohne triftigen Grund krankschreibe, nutze das System aus und stelle sich über andere, die diese Pflicht ernst nähmen. Der bessere Weg sei es, das Gespräch mit der Schule zu suchen und eine offizielle Beurlaubung beim Schulleiter zu beantragen. Ob einem solchen Antrag stattgegeben wird, liegt im Ermessen des Schulleiters, zudem muss ein begründetes Interesse vorliegen.

Auch notorische Schulschwänzer sind in Thüringen immer wieder ein Thema. Aktuellen Zahlen des Kultusministeriums zufolge wiesen im Schuljahr 2016/2017 etwa 1200 der insgesamt rund 19 000 Schüler im Freistaat Fehlzeiten von mehr als 21 Tagen auf. Im Vergleich zum Schuljahr 2011/ 2012 ist das ein leichter Anstieg. Die Ursachen hierfür sind Schenker zufolge sehr komplex. Verstärkte Migration, zunehmende Inklusion und andere soziale Prozesse hätten dazu beigetragen.

Zwar sei das Schulschwänzen kein Massenphänomen, Präventionsmaßnahmen seien dennoch sehr wichtig. Neben Publikationen zum Thema für Pädagogen und Eltern haben Schulen auch die Möglichkeit, spezielle Fördermaßnahmen wie Praxisklassen oder «individuelle Abschlussphasen» anzubieten, die auch Beratungslehrer und Schulsozialarbeiter mit einbeziehen. «Generell ist bei Schuldistanz aber eine Bewertung des Einzelfalls unerlässlich, um geeignete Maßnahmen zu treffen», sagte Schenker.

Dem Kultusministerium zufolge lag der Anteil von Schulschwänzern in den Thüringer Regelschulen mit rund acht Prozent am höchsten, rund 680 Regelschüler haben demnach im vergangenen Jahr an 21 oder mehr Tagen in der Schule gefehlt. Im gymnasialen Zweig, den in Thüringen mehr Schüler besuchen, waren es dagegen 22. Die mit Abstand meisten unentschuldigten Fehlzeiten gibt es in den Klassenstufen 5 bis 10, große regionale Unterschiede gibt es bei den langen Fehlzeiten nicht.

dpa / 24.03.18